Tagesmütter und -väter in Blankenfelde-Mahlow

 

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 Blankenfelde-Mahlow. 17 Tagesmütter aus Blankenfelde-Mahlow und Umgebung erhalten in diesen Tagen ihr Zertifikat als pädagogische Fachkraft. Anders ausgedrückt: Aus netten Nachbarinnen, die auf die Kinder aufpassen, sind ausgebildete Erzieherinnen geworden. Fast alle gehören dem Verein „Happy Kids“ an.
Verein initiiert Pilotprojekt
Der Verein war es auch, von dem die Initiative zu dem Pilotprojekt ausging. Er hatte bei diversen in Frage kommenden Fachschulen nachgefragt, ob es möglich sei, erfahrenen Tagesmüttern eine Weiterbildung zu ermöglichen. Bei der Fachschule für Sozialwesen in Potsdam – einer Einrichtung der Arbeiterwohlfahrt (Awo) – fand er offene Ohren. Unter Leitung von Oksana Baitinger und Hans-Martin Rühe, fachlich unterstützt von Johannes Pieper vom Fachbereich Qualifizierung und Personaleinsatz des Landesjugendamtes, hatte der Kurs im September 2015 begonnen. Rund 1000 Theoriestanden waren zu absolvieren, immer freitags und sonnabends. Dazu kam das unerlässliche Selbststudium.
Anerkennung macht Vertretung möglich
Die Frauen wollten etwas für sich verändern. Die Anerkennung als pädagogische Fachkraft war eines der Motive. Ebenso wichtig war ihnen aber der soziale Gesichtspunkt: Tagesmütter haben Anspruch auf 25 Tage betreuungsfreie Zeit – einschließlich Urlaub. „Wenn ich also 20 Tage Urlaub machen will, darf ich nur fünf Tage krank sein“, erläutert Sabine Voigt, eine der Teilnehmerinnen des Kurses. Unter Tagespflegepersonen ist bisher eine Vertretung nicht zulässig, da die Eltern den Betreuungsvertrag nur mit dieser einen Person abgeschlossen haben. Durch die Qualifizierung zur pädagogischen Fachkraft sind jetzt andere Betreuungsformen, zum Beispiel die Gründung eines Kinderladens mit mehreren Erzieherinnen, möglich, um so auch die Vertretung bei Urlaub oder Krankheit zu regeln. Die weiterqulifizierten Tagesmütter können auch in einer Kita arbeiten – der Wunsch, die eigenen vier Wände nur noch rein privat zu nutzen, auch das ist ein Motiv von Kursteilnehmerinnen.
Ausbildung in Blankenfelde-Mahlow
„Es war anstrengend, aber es hat sich gelohnt“, bilanziert Sabine Voigt die Qualifizierungsmaßnahme, die nicht in Potsdam, sondern in Blankenfelde-Mahlow selbst stattfand. „Gute Dozenten, gute Themenauswahl, gute Organisation und supermotivierte Tagesmütter“, lobt Voigt. An Lösungen von Problemlagen sei gemeinsam mit den Dozenten gearbeitet worden. Das sei bei den vorherigen Tagesfortbildungen kaum so gewesen. Dort habe immer das „gebuchte Thema“ im Vordergrund gestanden, so die 48-Jährige, die fünf Kinder betreut. Bei der Qualifizierung durch die Awo sei man ins Detail gegangen, es seien alle wichtigen Themen behandelt worden. Besonders hilfreich für die Arbeit der Tagesmütter seien die Themenbereiche Beobachtung und Dokumentation sowie Führen von Konfliktgesprächen gewesen, so Voigt. Auch die Kreativangebote – vermittelt in den Räumen der Musik- und Kunstschule Regenbogen – gaben gute Anregungen. Dazu gehörten Puppenbau, Schreibwerkstatt, Malen und Tanzen. „Das war alles sehr lebendig. Wir sind total gerne zur Schule gegangen“, resümiert Sabine Voigt. Zum Schluss mussten alle Teilnehmerinnen 200 Stunden als Praktikantinnen in Kitas absolvieren, auch in den Altersgruppen, die sie sonst nicht betreuen.
Zweiter Kurs geplant
Sehr positiv auch das Resümee der Dozenten. Insbesondere das hohe Niveau in den Abschlussarbeiten und in den Diskussionen während der Abschlusskolloquien habe beeindruckt. „Da konnten wir auch noch etwas lernen“, sagt Awo-Schulleiter Hans-Martin Rühe. Die Einrichtung will im Frühjahr einen zweiten derartigen Kurs anbieten. Der Verein „Happy Kids“ strebt nun die Kooperation mit Kitas an. Denkbar ist auch der Zusammenschluss von mehreren Tagespflegestellen. Die Einzelheiten wollen die neuen Erzieherinnen jetzt diskutieren

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Von Stephan Laude